Rezension: »Abigale Hall« von Lauren A. Folly

»Abigale Hall«
von Lauren A. Folly

Goldman Verlag, August 2017
ISBN: 978-3-4424-8548-2
512 Seiten
Preis:  8,99€ eBook | 9,99 Taschenbuch

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Inhalt

London 1947
Die Menschen ächzen unter den Folgen des zweiten Weltkrieges. Lebensmittel, Kleidung und Glück – alles ist rationiert und reglementiert. Eliza gibt sich Mühe auf ihre kleine Schwester Rebecca aufzupassen, deren psychopatischen Züge mehr Belastung sind als Eliza sich eigentlich für ihr Leben gewünscht hat.
Gegen ihren Willen werden die beiden Mädchen ins weit entfernte und heruntergekommene Herrenhaus Thornecroft abgeschoben. Hier sollen die Schwestern als Dienstmädchen arbeiten, ungenutzte Säle wollen gereinigt werden, eingestaubte Betten müssen bezogen werden und die Wäsche soll gemacht werden.
Eliza stößt bei der unliebsamen Arbeit schnell auf Dienstmädchen, die in der Vergangenheit immer wieder verschwunden sind und die verstorbene Lady, die das einsame Herrenhaus immer noch heimsucht. Schnell wird ihr klar, dass dieses Schicksal auch ihr und Rebecca droht. Kann Eliza sich und ihre Schwester beschützen? Welche Rolle spielt Rebecca in dem ganzen Geschehen wirklich?

Fazit

»Abigale Hall« ist ein Buch, dass seine Versprechungen nicht ganz halten konnte. Düsteres Cover, ein Klappentext der eine Atmosphäre á la Mistery(-Thriller) verspricht und die Andeutung einer düster-unheimlichen Geschichte verflochten mit einem historischen Hintergrund und einer Familienlegende – genau mein Ding.  »Abigale Hall« hat alles versprochen, aber nicht alles gehalten.

Die im Klappentext versprochene subtil düster-unheimliche Atmosphäre kam bei leider mir nicht auf. Auch, wenn hier das Ende doch noch einiges in diese Richtung getan hat.
Die Charaktere waren leider etwas, gerade Protagonistin Eliza konnte ich nie verstehen oder ihre Handlungen nachvollziehen. Sie wirkte oft getrieben und vorschnell, dabei aber nie ganz klar, wie sie nun zu ihrer Schwester steht.
Rebecca hingegen ist gut getroffen, ganz das egozentrisch-pschotische kleine Mädchen, das gerne Puppen die Augen ausdrückt, Kleintieren bestimmt die Beine ausreisst und sich am Schmerz der Menschen labt – ob nun Familienmitglieder oder Fremde kümmert Rebecca nicht. Für sie gibt es nur sie selbst und ihre Bedürfnisse.

Lauren A. Forry hat einen angenehmen Schreibstil und ein gutes Tempo, was andere wohl als Längen bezeichnen werden, empfinde ich bei gutem Schreibstil immer als angenehm: Es gibt etwas über den Alltag der Charaktere zu lesen und nicht jeder Spannungshochpunkt wird vom nächsten gehetzt. Damit lässt sich, zwar nicht die düstere, aber doch die historische Atmosphäre  der Geschichte genießen. Gerade am Anfang macht Lauren A. Forry das Leben im Nachkriegs-Enngland lebendig: Frauen, die sich die Beine mit Soße einreiben, um Strumpfhosen zu simulieren, Menschen, die vor Lebensmittelläden schlange stehen und Kinder, die zu kleine Schuhe tragen.

Alles in allem hat mir der Roman auch ohne das suggerierte Setting gefallen bis auf die Träume von Eliza. Immer wieder wird der Leser in Elizas wirre Träume katapultiert, die leider für mich nicht deutlich genug von der restlichen Geschichte optisch getrennt waren. Oft habe ich mich bei den Träumen am Anfang eines Kapitels gefragt, was zum Henker das für ein Sprung in der  Geschichte passiert ist. Nur um dann zu erfahren, dass Eliza ja gerade schlecht geträumt hat.
Hier hätte ich mir eine optische Trennung von der Geschichte gewünscht, damit einfach klar ist, dass der Abschnitt einen Traum darstellt.

Kurz: »Abigale Hall« von Lauren A. Forry ist eine geheimnisvolle Geschichte mit angenehmen Schreibstil,  die ihr volles Potential erst zum Ende hin offenbart und dort die düstere Atmosphäre schafft, die ich mir von Beginn an erhofft habe.

Bewertung

3 von 5

Autorin

Lauren A. Forry

© Mike Allebach

Lauren A. Forry wuchs in einem kleinen Örtchen in den Wäldern von Bucks County, Pennsylvania auf. Sie studierte Filmwissenschaften an der New York University, bevor sie vom amerikanischen Kontinent auf die britischen Inseln wechselte und in London ihren Master in Creative Writing machte. Für ihr Debüt »Abigale Hall« wurde Lauren A. Forry mit dem Faber and Faber Creative Writing MA Prize ausgezeichnet.
Heute lebt die Autorin mit ihren Hunden auf dem englischen Land.

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Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar


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