Rezension: »Die Gabe« von Naomi Alderman

Die Gabe von Naomi Alderman»Die Gabe«
von Naomi Alderman

HEYNE, Februar 2018
ISBN-13: 978-3-4533-1911-0
480 Seiten
Preis: 13,99€ eBook / 16,99€ Paperback/Broschiert

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Inhalt

Es fängt klein an: ein Mädchen am Pool, die Tochter eines Gangsterbosses, eine Politikerin. Aber es nimmt Ausmaße an, die alte Machtverhältnisse einreißen und Staaten stürzen.
Weltweit entwickeln Frauen die Gabe – sie können starke, tödliche Stromstöße mit ihren Händen aussenden. Wie verändern sich die Welt und das Zusammenleben, wenn Frauen den Männern körperlich überlegen sind?

Fazit

Frauen sind grausam. Frauen nehmen sich was und wen sie wollen, wann sie wollen. Frauen denken: »Die Fähigkeit, Schmerzen zuzufügen, ist eine ganz besondere Art von Reichtum.«

»Die Gabe« von Naomi Alderman ist ein Roman, der mich im Zwiespalt zurücklässt. Einerseits wurden meine Erwartungen übertroffen, andererseits hat der Roman nicht gehalten, was ich mir versprochen habe.

Erwartet habe ich ein Gedankenkonstrukt, ein Modell, das meine Einstellung: »Machthunger und Grausamkeit wird nicht durch das Geschlecht, sondern die Gelegenheit bestimmt« bestätigt und interessante Charaktere.
Die These greift Naomi Alderman auf, untergräbt die doch generalistische Aussage dann durch eine platte Glorifizierung der Gabe zu einer Religion zu einer eindimensionalen, vereinfachten Betrachtung verkommen lässt. Ein einfacher Weg, um den Werdegang des Romans zu leiten, der das hoch interessante Gedankenexperiment von Naomi Alderman beeinträchtigt.
Naomi Alderman verallgemeinert diese These überdies, überall auf der Welt wird von Ausschreitungen berichtet, ein Zusammenschluss von Frauen, die ihre Chancen wittern und Männer unterdrücken. Mäßigung scheinen Frauen in der Zukunft von Naomi Alderman nicht zu kennen. Genausowenig wie Mitgefühl oder einen Gerechtigkeitssinn.

Der Schreibstil der Autorin ist gut, flüssig zu lesen und durch den richtigen Grad an Sachlichkeit gezeichnet. Unterbrochen wird der Lesefluss aber durch wissenschaftliche Funde, die die Herkunft der Gabe dokumentieren sollen. Zu bemüht wissenschaftlich, mit fiktiven Belegen versucht Naomi Alderman in ihrem Roman eine Grundlage für die Gabe zu schaffen, was zuteilen interessant, im Allgemeinen aber eher zäh ist.
Dazu kommen vier Charaktere, die die Geschichte erzählen, sich dabei aber nicht mit der Geschichte entwickeln, sondern für die Geschichte entwickelt wurde. Hier sticht vor allem der einzige männliche Erzähler negativ hervor: Tunde wird zum Chronisten der Revolution, aus einem Zufalls-Youtuber wird in kürzester Zeit ein Spitzen-Journalist mit Attitüde. Die Entwicklung ist zu rasant und ebenso unglaubwürdig.
Aber auch Allie, missbrauchte, traumatisierte Waise und Gründerin einer neuen Religion, Roxy, stärkste Kämpferin der Frauen und Margot, einflussreiche Politikerin, sind flache, erzwungene  Charaktere, die ihre Funktion in dem Roman erfüllen, aber absolut austauschbar sind.

Nicht erwartet und positiv überrascht war ich von dem Spiegel, den Naomi Aldermann der Gesellschaft schonungslos und fast sachlich brutal vorhält. Nicht militantisch feministisch, aber bissig kommentiert Naomi Alderman unsere Gesellschaft und zeigt Missstände durch das Verkehren von Tatsachen auf.
Ein wichtiger Gedankenimpuls, der in der Umsetzung aber fast in der Grausamkeit der Frauen verloren geht.

Anmerkung: Der Originaltitel „The Power“, übersetzbar mit „Die Kraft“ oder „Die Macht“ passt deutlich besser zum Inhalt des Buches, als die deutsche Übersetzung. Gerade letzteres ist der Kernthema von Naomi Aldermans Buch.

 

Bewertung

2 von 5 Bücher

2 von 5

 

Autorin

Namo Aldermann

Naomi Alderman wurde 1974 geboren und wuchs in London auf. Sie studierte in Oxford und an der University of East Anglia.
Die Autorin ist Professorin für kreatives Schreiben an der Bath Spa University, stellt auf BBC Radio 4 „Science Stories “ vor und schreibt regelmäßig für die Guardian.
Als Autorin wurde Naomi Alderman bereits mehrfach ausgezeichnet.

 

Website


Weitere Meinungen zu »Die Gabe« von Naomi Alderman

Kill Monotony (3/5)
I am Jane (o.A.)
The Read Pack (5/5)
Kathrineverdeen (o.A.)
Back Down to Earth (3/4)
Wortlichter (o.A.)

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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Ein Gedanke zu „Rezension: »Die Gabe« von Naomi Alderman

  1. karin sagt:

    Hallo Jasmin,

    hm, zur Zeit gibt es aber echt viele ähnliche Titel und Cover/Farbe oder?
    Denn ich dache Dein Roman wäre …Aura..Die Gabe…von Clara Benedict ….sorry da habe ich nur das zweite gesehen.
    Und auch die Farbzusammenstellung ist ähnlich…grins…

    LG..Karin..

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