Häufig verkannt und verharmlost: Co-Abhängigkeit

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Was ist CO-ABHÄNGIGKEIT?

Co-Abhängigkeit ist ein sozialmedizinisches Konzept, nach dem Bezugspersonen eines Suchtkranken dessen Sucht durch ihr Tun oder ihr Unterlassen fördern oder darunter leiden. Das Verhalten von Co-Abhängigen enthält seinerseits Sucht-Aspekte.
Darüber hinaus bezeichnet Co-Abhängigkeit auch ein Verhalten von Menschen mit einer Beziehungsstörung, bei der sie sich ganz allgemein von anderen Menschen abhängig machen – unabhängig von einem bestimmten Menschen.  Bisher ist umstritten, ob Co-Abhängigkeit als abhängige oder gemischte Persönlichkeitsstörung eingestuft werden kann.

LEXI – (CO-)Abhängig?

Dass Lexi drogenabhängig ist, verrät schon der Klappentext von »Clean«. Aber ist sie auch co-abhängig?
Abhängige Verhalten sich typischerweise manipulativ, Süchtige tun alles, um ihre Sucht weiter ausleben zu können. Dafür nimmt der Süchtige auch Hilfe von Dritten in Anspruch – Freunde, Familie, Arbeitskollegen,… Co-Abhängige haben dabei ganz eigene Motive den Süchtigen zu unterstützen. Das verhalten der Co-Abhängigen ist eine Form der Abwehr eigener ängstigender Bedürfnisse und Gefühle. Sie machen den Süchtigen häufig zum Mittelpunkt ihres Lebens und erfahren dafür zunächst Anerkennung. Oft nehmen sie diese Rolle bis zu völligen Selbstverleugnung ein und können bis zur Selbstaufgabe, Überschuldung oder ähnlichem in ihrer Rolle aufgehen.

Lexi und Kurt führen ein Paradebeispiel einer Beziehung mit Co-Abhängigkeit. Sie ist 16, er über 20 als sie sich kennenlernen und eines bekommt Lexi ganz schnell mit: Kurt nimmt viel häufiger und viel härtere Drogen, als sie es bisher kennengelernt hat. Und seit seine Eltern Kurt den Geldhahn zugedreht haben, ist immer häufiger Lexi, die „nur mal ausnahmsweise“ oder „wirklich nur noch dieses Mal“ die Kreditkarte zückt, um Kurts Drogen zu bezahlen. Auch als er es sich mit einem Drogendealer verscherzt, ist es Lexi. die dafür gerade stehen muss.
Und ist man ehrlich, sie tut es gerne. Sie genießt die Aufmerksamkeit von ihm, das Gefühl gebraucht zu werden und manchmal träumt sie auch davon, dass sie zusammen clean werden. Letztendlich stellt Lexi ihre eigenen Bedürfnisse aber immer wieder hinter Kurts Erwartungen oder dem, was sie als Kurs Erwartung einstuft, an.
Erst die Therapie zeigt ihr, was die Auslöser für ihr Verhalten sind und wie sie bewusst damit umgehen und dagegen steuern kann.

Die Auslöser für Co-Abhängigkeit ist sind so unterschiedlich wie Menschen selbst. Oft ist es Vernachlässigung in der Kindheit, emotionaler oder körperlicher Missbrauch, Mobbing,.. Es gibt so viele Faktoren, die zu Angst vor Ablehnung, dem Verlassen werden, Einsamkeit, Isolation und geringem Selbstwert führen, dass es nicht DEN einen Auslöser für eine bestimmte Entwicklung der komplexen menschlichen Psyche gibt.

Wege aus der Co-Abhängigkeit & Kritik

Der Begriff der Co-Abhängigkeit ist in der klassischen Suchrforschung bisher nicht klar definiert und noch umstritten. Angehörige werden über die Bezeicnung „co-abhängig“ oft als Schuldige oder Täter diffamiert, in dem sie suchtfördendes Verhalten an den Tag legen – zum Beispiel die Arbeit des alkoholkranken Kollegen mitmachen, das Kind bei einem Rausch in der Schule entschuldigen, den Partner mit Geld für Drogen versorgen.
Ein Weg raus aus der Co-Abhängigkeit schließt üblicherweise eine Therapie des suchtkranken Partners ein sowie eine eigene Therapie ein – oder die Trennung, wenn der Partner nicht bereit ist diesen Weg zu gehen.

Hilfe: CoDA Deutschland


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Clean Juno Dawson

Carlsen Verlag, Juni 2018
ISBN: 978-3-5515-8382-6
400 Seiten

Preis:  9,99€ eBook | 9,99€ Taschenbuch

Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig. Nach einer Überdosis landet sie in der Clarity-Klinik. Ihr Entzug ist hart, die Therapie schier unerträglich, vor allem die Treffen mit den „Mitinsassen“: Aufputschmittel-Junkie Saif, Trans-Mädchen Kendall, Guy mit der Zwangsneurose, Bulimikerin Ruby, Ex-Kinderstar Brady. Doch ausgerechnet diese fünf werden zu echten Freunden. Und Brady vielleicht mehr. Lexi öffnet sich vorsichtig, beginnt ihr zerstörerisches Leben zu hinterfragen. Aber ist ein anderer Weg überhaupt möglich?

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Cover: Carlsen Verlag
Banner: © Authors Assistant

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Ein Gedanke zu „Häufig verkannt und verharmlost: Co-Abhängigkeit

  1. Jenny Siebentaler sagt:

    Auf jeden Fall interessant und genauer betrachtet solche Verhaltensweisen im eigenen Familienkreis miterleben durfte !!! Oft zum Kopfschütteln und nicht verstehen für mich führte denn jeder andere „Normale“ Menschenverstand hätte gewisse Sachen genauso wenig nicht verstanden bzw. mitgemacht!

    LG Jenny

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