Feliccima – Die Welt hinter dem Regenbogen

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Glaubst Du mir, wenn ich dir Sage, dass es Kobolde wirklich gibt?

»Jan, jetzt kommt endlich! Nana fängt gleich an. Wir verpassen ja alles!« die kleine Mia stampft mit dem Fuß auf, als sie ihrem großen Bruder zur Eile antreibt. Jan ist allerdings wenig beeindruckt, er zieht sich in aller Ruhe seine Schuhe an und setzt sich sogar noch hin, um die Schleife zu binden – sehr, sehr sorgfältig. Dabei grinst er amüsiert seine Fußspitzen an, während Mia immer wieder zwischen ihm und der Wohnungstür hin und her läuft, um ihn zur Eile anzutreiben.
Als Mia einen hochroten Kopf hat und den Tränen nahe ist, beendet Jan seine Show und nimmt Mia auf den Arm: »Wein doch nicht gleich. Ich trage dich, wir werden pünktlich sein und kein Wort von Nana und ihren wilden Abenteuern im Land der Kobolde verpassen. Versprochen!«
Zusammen verlassen Jan und Mia die Wohnung ihrer Eltern und machen sich auf zum Rathausplatz, wo heute die alte Nana wieder ihre Geschichten zum Besten gibt. Wie sie einst zusammen mit der Tochter eines berühmten Schauspielers in einer Klasse war und dass da auch dieser Junge war, den Nana schon immer etwas komisch fand. Und wie sie die beiden eines Tages durch Lichtschein in einem Foto hat verschwinden sehen! Also ob! Aber solange die kleine Mia den Geschichten gerne lauscht, wird Jan mit seiner Schwester auf den Rathausplatz gehen, wenn Nana da ist.

Früher drängelten sich die Kinder auf dem Platz, wenn Nana erzählte. Je älter sie selbst und je wirrer ihre Geschichten wurden, desto weniger Kinder kamen. Heute sitz nur eine Handvoll Kinder auf den Boden um die alte Nana herum. Sie blickt auf, als Jan und Mia ankommen: »Ich dachte schon, ihr kommt nicht. Aber dann kann ich jetzt endlich anfangen.« Ein warmes Lächeln teilt die unzähligen Runzeln in ihrem Gesicht und gibt den Blick auf immer noch kräftige, weiße Zähne frei.
»Kinder,« beginnt Nana, die schon uralt war, als Jans Vater ganz jung war, »habe ich euch schon von meiner Freundin Emma, ihrem Freund Sam und seiner Heimat Feliccima erzählt?«
Hatte sie, unzählige Male schon, aber die Kinder liebten diese Geschichte. Im Chor gaben sie ihr »Nein« als Antwort und Nana begann zu erzählen.
»Ich dachte mit trifft der Schlag, als ich erfuhr, dass ich mit der Tochter des großen Patrick Blairs in einer Klasse bin! Ich habe mich ewig nicht getraut, Emma anzusprechen. Ich glaube, sie wusste lange Zeit nicht, dass ich in ihrer Klasse bin – obwohl wir doch nur wo wenig Schüler waren.
In diesem einem Jahr, bevor sie verschwand, kam Emma aus den Sommerferien wieder. In Geschichte sollte sie ein Referat mit Sam machen, der sich für die erste Woche entschuldigen leiß. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber als Sam wieder in der Schule war, lag zwischen den beiden eine deutliche Spannung in der Luft. Jedes Wort wurde abgewogen, bevor es ausgesprochen wurde. Und dann, einige Wochen später, waren die beiden ein Herz und eine Seele. Ich war …. neugierig, eigentlich mochte ich Sam, auch wenn er manchmal komisch war. Er wohnte zum Beispiel zu Hause und nicht in der Akademie und er ging immer pünktlich Heim – auch wenn wir anderen noch etwas unternommen haben.
Eines Tages, als ich Emma und Sam auf dem Flur tuscheln sah und sie ihr Gespräch abrupt abbrachen, als sie mich sahen, beschloss ich ihnen zu folgen. Neuerdings verschwanden sie nämlich zusammen sehr pünktlich.
Also folgte ich ihnen bis zu dem scheinbar verlassenen Bauernhof, auf dem Sam angeblich wohnte. Ich folgte ihnen in das Haus, die Treppe hoch und machte eine Tür auf, die sie gerade geschlossen haben. Kinder, was hat mich da nur geritten? Ich wusste nicht mal, was ich sagen sollte, wenn ich den beiden gegenüberstehe!« Die alte Nana unterbricht ihre Erzählung mit einem peinlich berührten hüsteln, ihre Wangen nehmen eine rosa Färbung an. Scheinbar ist ihr  Verhalten immer noch unangenehm. Die Kinder kennen aber kein Erbarmen mit Nana, sie verlangen lauthals nach der Fortsetzung.

»Gönnt einer alten Frau doch einen Moment, um peinlich berührt zu sein, Kinder. Aber gut gut. Wo war ich? Ah ja, die Tür. Ich sage euch, die Tür fiel eben erst in Schloss, bevor ich sie auch schon wieder aufstieß. Aber außer einem hellen Licht und Fotos auf dem Boden sah ich in dem Raum … nichts. Nichts und Niemanden! Ich hätte jetzt nach Hause gehen können, aber Kinder, die alte Nana hat irische Vorfahren und die Fotos und der Lichtschein riefen Erinnerung an eine alte Legende meines Seanathair, meines Großvaters, in mir wach. Er erzählte früher viel über Kobolde, Elfen, Feen und Trolle. Und in einer Geschichte ging es um Menschen, die in einem Lichtschein verschwinden und gar keine Menschen sind.«
Jan kann sich ein Prusten nicht unterdrücken, obwohl er die Geschichte schon so oft gehört hat: »Wie sollen den in einem Lichtschein verschwinden? Was sind sie, etwas Trolle mit einem Faible für Fotografie?«
Die alte Nana guckt Jan tief und intensiv in die Augen, als sie Antwortet: »Kobolde. Glaubst Du mir, wenn ich Dir sage, dass es Kobolde wirklich gibt?«
Jan läuft ein Schauer über den Rücken, eigentlich würde er jetzt mit Nein antworten, aber irgendwie kann er sich nicht Nanas Blick entziehen und ihr jetzt offen widersprechen.
Nana scheint mit Jan Reaktion zufrieden zu sein, als er nicht antwortet, setzt sie ihre Geschichte fort: »Kobolde. Ich musste an eine Geschichte über Kobolde denken, die mein Grandpa mir erzählt hat und so beschloss ich zu warten. Entweder bis zum morgen oder bis zum nächsten Lichtstrahl.
Der Lichtstrahl kam zuerst. Kurz nach Mitternacht brach aus dem Bild von Sam, das unter den Fotografien im Raum lag, ein heller Lichtschein hervor. Als er verblasst war standen Emma und Sam vor mir. Emma hatte überall leichte Brandwunden, sah aber selig aus. Sam war vor allem eines entsetzt. Dann wurde er plötzlich ruhig und sagte: „Du bist eine chos istigh, eine Eingeweihte richtig?“ Ich konnte natürlich nicht sagen, dass ich nicht wusste, worüber er spricht und sagte nur, dass mein Großvater einer gewesen sei – und mir seine Geschichte erzählt hat.
Und in dem Moment wusste ich auch wieder, welchen Ort mein Grandpa im Zusammenhang mit dem Licht erwähnte: Feliccima, das Land der Kobolde.
Neugierig, wie ich war, fragte ich Sam und Emma, wie Feliccima sei. Emma strahlte mich an und Sam resignierte. „Ich gehe uns Kakao machen, dann erzähle ich dir von Feliccima. Als Enkelin eines Eingeweihten solltest Du Dein Erbe und die Welt, die Dein Wissen beschützt, kennen.“
Kinder, ich kann euch gar nicht sagen, wie verwirrt ich war. Da es heute aber nur um Fellicima geht, hier mein Erbe: Die Eingeweihten helfen den Fenice, den Kobolden aus Feliccima, in unserer Welt unentdeckt zu bleiben. Damit werden unsere Familien in jeder Generation zur Zielscheibe der Cancros, den Feinden der Fenice. Aber das ist eine andere Geschichte.

FWH2

Nachdem Sam uns in der Küche einen Kakao zubereitet hatte, begann Emma mir von Feliccima zu erzählen: „Es ist wunderschön, fast ein Utopia! Es ist warm und die Sonne geht nie unter. Es gibt keine Technik, keinen Strom – die Fenice sind viel entspannter als wir Menschen hier. Keine Handys halten sie gefangen, niemand ist ständig erreichbar.  Durch die Fachwerkhäuser wirkt es wie ein mittelalterliches Dorf in Süddeutschland. Die Landwirtschaft ist der tragende Wirtschaftszweig für alle. Und es ist so faszinierend! Wir haben gerade Kartoffelhühner gesehen – dottergelbes Gefieder, dunkelbrauner Kops, spitzer blutroter Schnabel und Krallen! Die Fenice nutzen die Eier der Kartoffelhühner für ihren Dünger, aber die Viecher sind extrem aggressiv meint Sam. Die können mit ihrem Schnabel direkt ein Herz durchbohren!
Feliccima ist aber nicht nur wegen der Fachwerkhäuser, Museen oder Bibltioheken bezaubernd, sondern hat auch eine spannende Geschichte. Vor mehr als 500 Jahren haben die drei Brüder Ru, Bal und Do Feliccima gegründet und die drei Koboldarten Fenice, Cancros und Lupos erschaffen. Jedes Volk hat eigene Fähigkeiten bekommen, jeder sollte sein Land beschützen, verteidigen und pflegen können. Die Fenice sind in der Heilung sehr begabt und die Cancros sind zum Beispiel sehr stark und kennen sich mit Gift aus. Die Völker sollten sich helfen.
Als der Krieg zwischen Cancros und Fenice ausbrach, sprachen die Urväter einen Fluch aus und schwächten die Kräfte der Kobolde, bevor sie die Völker mit einer magischen Barriere trennten und dann verschwanden. Zurückgelassen haben sie den Kobolden die Möglichkeit für die Fortsetzung des Krieges in unserer Welt und eine Legende über einen Herrscher, der kommen und die Völker wieder vereinigen wird.“
Als Emma von der Legende erzählte, rieb sie sich die Hände. Kinder, wenn ich damals schon gewusst hätte, welche Geschichte der jungen Emma Blair bevorstand… ich hätte vieles anders gemacht.« Am Ende ihrer Erzählung wird Nana leiser, ihr Ton fast traurig. Sie blickt auf ihre Hände und reibt eine runde Narbe auf dem runzeligen Handrücken.
Es ist klar, dass Nana für heute fertig ist. Sie lässt die Kinder mit einem warmen Bild einer sonnigen Welt zurück, die Emma anfänglich für ein Utopia hielt und die dann doch so vieles mehr war.

Die Kinder standen auf, sie wussten, wenn Nana am Ende einer Geschichte in dieser Stimmung war und ihre Narbe rieb, würde sie heute nicht mehr weitererzählen. Jan und Mia, diesmal an seiner Hand statt auf dem Arm, verließen als letzte den Rathausplatz.
Jan war an der Ecke noch einmal einen Blick auf Nana, bevor er sich umdrehte. Plötzlich meinte er einen schnellen Schatten aus dem Augenwinkel zu sehen. Blitzschnell dreht Jan sich zurück zum Rathausplatz  und …. stutzte. Wo war Nana? Eben saß sie doch noch auf der Band dort? So schnell konnte eine alte Frau nun doch wirklich nicht sein. Fast, als könne sie fliegen…

Fenice Katrina Lähn

Klappentext:
Die Reise beginnt … abseits des Regenbogens
Emma Blair ist die Tochter eines berühmten Schauspielers und hatte bislang nur ein einziges Ziel in ihrem Leben. Sie wollte eine erfolgreiche Journalistin werden und aus dem Schatten ihres prominenten Vaters treten.
Als sie jedoch hinter das Geheimnis ihres Mitschülers Sam kommt, ändert sich ihr Leben schlagartig.
Sie reist in das magische Land Feliccima und gerät dort direkt zwischen die Fronten der zwei verfeindeten Völker. Zwischen die Fenicis und die Cancros. Und wenn dann noch die Liebe anklopft, ist das Chaos vorprogrammiert.
(Quelle: Amazon)

Selbstverlag, Januar 2018
ISBN: 978-1-9768-4065-4
238 Seiten
Preis:  0,99€ eBook | 9,95€ Taschenbuch


Regenbogenreihe


Gewinnspiel

Platz 1
Signiertes Taschenbuch zu „Fenice – Abseits des Regenbogens“ und „Cancro – Im Schatten des Regenbogens“ (Teil 1&2)

Platz 2
E-Book Fenice& Cancro (Regenbogenreihe Sammelband 1)

Platz 3
E-Book Fenice – Abseits des Regenbogens

So geht’s
Um in den Lostopf zu hüpfen beantwortet einfach die nachstehende Frage in den Kommentaren.
Das Gewinnspiel läuft vom 03.09.2018 bis einschließlich 09.09.2018!
Gewinnspielveranstalter ist die Netzwerk Agentur Bookmark.

Die Gewinner  werden dann am 10.09.2018 im Tourplan auf www.netzwerk-agentur-bookmark.com bekanntgegeben.

Tagesfrage:
Wie sieht die Welt der Kobolde in Deiner Vorstellung aus?

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.


Anmerkung: Werbung –  Hinter dem verwendeten Buchcovern stecken Affiliate-Links des Amazon Partnerprogramms. Nach §6 TMG ist kommerzieller Inhalt zu kennzeichnen.)
Cover: Katrina Lähn

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3 Gedanken zu „Feliccima – Die Welt hinter dem Regenbogen

  1. Tara sagt:

    Hey,
    Also ich stelle mir da ganz typsich viel Wald vor und alles etwas dunkler und verwegener und das sie vielleicht in Höhlen wohnen um ihre Ruhe zu haben.
    Liebste Grüße, Tara

  2. Manuela Schäller sagt:

    Huhu,
    Danke für den tollen Beitrag.
    Wie stelle ich mir das vor?
    Vielleicht ein bisschen wie bei den Zwergen, alles klein in einer Höhle vielleicht. Und ich denke von Ordnung wird nicht viel zu finden sein, eher wie die Räuber

    LG Manu

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