»Ich würde alles tun, um schön zu sein.«

aus: »The Belles – Schönheit regiert« von Dhonielle Clayton, Planet!  im Thienemann Esslinger Verlag, S. 234 | Werbung
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Conversation with my 14 year old self

Liebe Jasmin,

»Ich würde alles tun, um schön zu sein« ist ein Satz, den Du oft denkst und in den nächsten Jahren noch oft denken wirst. Ich bin Dir dankbar, dass Du dennoch nicht alles dafür getan hast. Ich weiß, gerade ist es nicht einfach für Dich. Du glaubst alle anderen sind schlanker, schöner.
Du fühlst dich wie ein zu groß geratenes, grobschlächtiges „Mannsweib“. Du versteckst Dich in zu weiten Männerhosen und ausgeleierten Pullovern. Mal verzichtest Du so lange wie möglich auf Mahlzeiten, danach stopfst Du Dich mit allem voll, was essbar ist. Und in den dunkelsten Stunden hast Du Dir danach weinend den Finger in Hals gesteckt – zum Glück nicht oft.
Du hast Dich nie schön gefühlt, Jungs fanden immer nur Deine Freundinnen toll – Du warst immer die gute Freundin, die Zuhörerin. Wenn Du mal ein Kompliment bekommen hast, dann meinten die Jungs Deinen Busen. Selten hieß es auch mal Du hast „ja auch irgendwie ein ganz hübsches Gesicht“.  Und weißt Du noch dieser eine Junge, den du gut fandest, der Dir sagte, Deine obere Körperhälfte wäre ja „ganz ok“, der Rest aber ein „No Go“? Ich weiß, das hat Dich getroffen – jahrelang, immer wieder.
Wie oft hast Du Dir bisher den Arm blutig gekratzt, weil Du nicht wusstest, wohin mit den negativen Gefühlen? Und wie oft hast Du danach gehofft, dass das jetzt nur ja keiner sieht und mit Dir ein Gespräch darüber anfängt? Oft. Und leider muss ich Dir sagen, dass Du noch ein paar harte Jahre vor Dir hast. Jahre, in denen Du Dich Deine schlanken Freundinnen unterlegen fühlst, weil Du neben ihnen nur selten angetanzt werden wirst. Jahre, in denen Du Dich fragst, warum Du nicht schön bist.
Ich wünschte Du hättest damals verstanden, was ich heute längst begriffen habe: Schönheit ist wandelbar und nicht statisch. Schönheit ist eine Frage der Selbstakzeptanz – die Meinung anderer ist nicht relevant. Und die Frage „Wer ist eigentlich schön?“ ist keine Frage, die einfach zu beantworten ist.

Jasmin, als ich zuletzt »The Belles – Schönheit regiert« von Dhonielles Clayton gelesen habe, musste ich an Dich denken. Und daran, wie unterschiedlich Du und die Bürger von Orléans mit dem Thema Schönheit umgegangen sind. Wo Du Dich versteckt hast, damit niemand erst darüber nachdenkt, ob Du schön bist, rennen die Bürger von Orléans einem Geist hinter her, einem Ideal, das sich so oft neu definiert, dass die meisten schon direkt nach ihrer Schönheitsbehandlung nicht mehr dem aktuellen Trend folgen. Eine Hatz, die nie endet und viele innerlich zerfrisst.

wer ist eigentlich schön?

Weißt Du Jasmin, ich glaube die Bürger*innen von Orléans verstehen nicht, dass das Schönheitsideal immer im Wandel ist und nicht dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen nicht bedeutet, nicht schön zu sein.
Im antiken Griechenland waren helle Haut und eine fülligere Figur Zeichen von Wohlstand. Kleine Füße, schmale Taille, zierlicher Körperbau im alten China waren Grazie und Eleganz im Trend. Runder Bauch, großer Busen, breite Hüften, helle Haut – in der italienischen Renaissance durfte Frau wieder etwas mehr haben.
Kleine Brüste, wenig Taille, fast knabenhafte Figur – die 1920er waren für Fluch und Segen für viele Frauen. Die 50er waren wieder kurviger, die 80er sportlich-schlank und die 90er schlank, fast ausgemergelt – die Schönheitsideale unterliegen dem Wandel der Zeit, beeinflusst von Zeitgeschehen, Kultur, Internationalisierung und vielen anderen Faktoren. Die Frage, was schön ist, lässt sich nur annähernd beantworten: Schönheit die größtmögliche Schnittmenge von gängigen Schönheitsmerkmalen ist. Welche Schönheitsmerkmale das sind, wird von mannigfaltigen Einflüssen bestimmt.

Mit der Etablierung und Verbreitung des Internets wurden die Einflüsse auf gängige Schönheitsideale komplexer. Kulturen, in denen bisher kräftigere Figuren dem Schönheitsideal entsprachen, passten sich (vor allem) westlichen Vorbildern an.
Models, Stars und Sternchen beeinflussen nicht nur Dich in Deiner Selbstwahrnehmung, sondern auch die angesagten Schönheitsideale der Zeit. Und ich weiß, gerade hasst Du die Celebreties und die Medien dafür, dass sie ihre aufgefüllten Hintern und Thigh Gaps in die Kamera halten. Aber weißt Du, in den nächsten Jahren rücken immer mehr Curvy Models in den Fokus der Aufmerksamkeit und Du wirst sehen, die Schönheitsideale und die Einflüsse darauf waren selten so vielfältig wie heute. Es gibt nicht mehr das Leitbild wie bei früheren Epochen, sondern eine Vielfältigkeit der Schönheit.

Jasmin, halt noch ein wenig durch. Ich verspreche Dir, es kommen Zeiten, in denen Du Dich schön fühlst – nicht perfekt, aber Du wirst dann wissen, dass Schönheit individuell ist. Und viel wichtiger: Ich verspreche Dir, es wird der Tag a kommen, an dem Du Dich selbst lieben kannst.

Weitere spannende Artikel um den Glanz und die Schattenseiten von Schönheit findest Du auf  www.netzwerk-agentur-bookmark.com.


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DAS BUCH Zum Beitrag

The Belles Schönheit regiert - Dhonielle Clayton

Planet! im Thienemann Esslinger Verlag                                                   Februar, 2019                                      ISBN:978-3-522-50583-3                    512 Seiten.

Klappentext:
Glitzernd, glanzvoll, grausam – willkommen in der Welt der Belles!

Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen …
(Quelle: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag)


Cover: Planet! im Thienemann Esslinger Verlag
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4 Gedanken zu „»Ich würde alles tun, um schön zu sein.«

  1. karin sagt:

    Hallo Jasmin,

    hm, dann stimmt doch etwas mit der Einstellung zu sich selber nicht in dieser Gesellschaft nicht ganz, wie mir scheint…
    Denn soviel „Belles“ wird es ja in der Regel nicht geben oder?

    Zumal im Regelfall Minderheiten meistens keine Heilsbringer sind, wie in diesem Fall…..

    Eine ganze Gesellschaft sieht sich als mehr oder minder hässlich und und verbinden damit auch einen entsprechend niedrigen sozialen Status. ..zusätzlich…

    Ehrlich ……und sorry ….was für Spinner!!

    LG..Karin..

    • buecherleser sagt:

      Hi Karin,
      das ist richtig, die Einstellung der Gesellschaft ist wirklich grenzwertig (einige sind wirklich Spinner! 😀 ) – eine überspitzte, extreme Darstellung von Verhältnissen, die man auch bei uns beobachten konnte (blasse Blaublüter schauten auf die in der Sonne arbeitende Bevölkerung herab zum Beispiel). In The Belles distanzieren sich die Reichen dadurch von den anderen, weil sie sich die Schönheitsbehandlung bei den Belles leisten können. Im ersten Band wird Dhonielle Clayton leider erst im Nachwort damit deutlich, was sie mit dem Roman aufzeigen möchte – nämlich wie schädlich diese Sucht nach Schönheit sein kann. Zwar hinterfragt die Protagonistin -eine Belle -ein, zwei Mal, ob es nötig ist, was sie tut, aber da war Potential nach oben.

      Ich hoffe aber, dass die Autorin ihre Gedanken dazu in der Fortsetzung besser auf den Weg bringt und mich abholt. Potential hat das Buch nämlich: liest sich schnell weg und die Autorin hat einen sehr lebendigen, detailverliebten Schreibstil, was ich sehr gerne mag.

      LG Jasmin

  2. karin sagt:

    Hallo Jasmin,

    hm,irgendwie …..verstehe ich den Satz aus dem Roman nicht wirklich..

    Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt……was bedeutet das denn?
    Haben die Menschen allesamt eine schlimme Krankheit, die sie entstellt? Und wenn es alle haben..bedeutet das doch nicht gleich Hässlichkeit oder?

    LG..Karin..

    • buecherleser sagt:

      Hi Karin,

      das liegt an der Entstehungsgeschichte von Orléans, den Menschen wurde die Farbe entzogen. Bei Geburt haben alle -außer die Belles- graue Haut, rote Augen und finden sich hässlich. Für die Menschen ist es ein großes Leid so zu leben.
      Logisch gesehen hast du Recht, vielleicht sind sie nicht hässlich, aber sie selbst sehen sich so und verbinden damit auch einen entsprechend niedrigen sozialen Status. 🙂

      LG Jasmin

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