Divoisia – Ein Interview

Interview mit Oliver Alraun vom 05. April 2020

Hinter Divoisia stehen sieben kreative Köpfe, die seit 2011 an der Welt Divoisa arbeiten. Das jüngste Teammitglied war damals noch keine 14 Jahre alt.
Kennengelernt hat sich die Gruppe über Youtube, was als Kommentare unter dem Video von Florian Harloff begann, wurde zu einem gemeinsamen Forum, in dem eine gemeinsame Geschichte geplant wurde. Und aus diesem Forum wurde eine Gemeinschaft, die nach einer Crowdfunding Kampagne, im Januar 2020 mit »Weltenbruch – Das Mal der Sonne« ein besonderes Buch veröffentlichte. 

 »Weltenbruch – Das Mal der Sonne«

Weltenbruch - Das Mal der Sonne

Im Westen versinkt die von Kriegen geplagte Welt der Menschen im Chaos. Krankheit, Hunger und Gewalt zwingt viele, in die entlegensten Teile des Kontinents zu ziehen. Als sie glauben, endlich in Sicherheit zu sein, erscheinen die Boten des Sturms. Sie predigen vom Untergang der ihnen bekannten Welt, aber auch von einem Ort im hohen Norden voller Liebe und Gnade, an dem all jene Zuflucht finden werden, die reinen Herzens sind.
Währenddessen wirft die Sonne im Osten ihren Schein über ein riesiges Gebirge und erhellt eine neue Welt, auf die verschiedenste Völker ihre ersten Schritte setzen. Sind sie die letzte Hoffnung auf eine harmonische Zukunft Divoisias?

18 Geschichten aus Divoisia. Jede ist unabhängig von den anderen lesbar, aber es können zahlreiche Verknüpfungen gefunden und Geheimnisse gelüftet werden.

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Divoisia GbR (Nova MD), Januar 2020
978-3-9669-8204-7
428 Seiten
Preis:  2,99€ eBook | 12,99€ Taschenbuch
Amazon | Thalia


»Weltenbruch – Das Mal der Sonne« ist nicht nur wegen der Entstehungsgeschichte eine Besonderheit, sondern auch wegen der App. Ja, App. An verschiedenen Stellen des Buches finden die Leser*innen Symbole, die eingescannt werden können und zusätzliche Inhalte freischalten. 

Es gibt verschiedene Inhalte zu entdecken: Karten, Illustrationen, Erklärungen, Hintergründe und und und. Die Idee ist, dass auch zukünftige Bücher der Gemeinschaft das System nutzen und Leser*innen freigeschaltete Inhalte in ihrem Divoisia Archiv immer wieder durchstöbern können. 

Trolltrophäen ; Copyright: Divoisia GmbR


Das Ganze ist ein Mammut-Projekt, das beeindruckt und bei mir Fragen aufwirft. Für diese Fragen steht Oliver Alraun zur Verfügung:

Oliver, eine Frage, die sich mir als Teamlead direkt aufdrängt: Wie organisiert ihr eure Zusammenarbeit? Gibt es eine strikte Arbeitstrennung?

Die gibt es mittlerweile tatsächlich, allerdings war das nicht immer so. Wie du bereits erwähnt hast, haben wir uns damals über Youtube kennengelernt, sind dann aber recht schnell auf ein Forum umgestiegen. Dort haben wir die Geschichte und ihre Charaktere ausgearbeitet, denn am Anfang wollten wir wirklich „nur“ ein Buch gemeinsam planen, dass Flori dann geschrieben hätte. Mit der Zeit sind aber immer mehr Fragen aufgekommen, die wir nicht beantworten konnten. Aus welchen Kulturen kommen die Charaktere, an was glauben sie, wie sieht ihr Alltag aus? Wir hatten keine Grundlage, kein Fundament, auf das wir eine Geschichte hätten setzen können.  So wurde uns klar, dass wir uns erst einmal Gedanken um die Welt dahinter machen müssen.  

So haben wir mit dem Weltenbau begonnen und bald festgestellt, dass die Themen zu komplex werden, um einfach nur in einem Forum darüber zu schreiben. Seitdem machen wir einmal in der Woche eine „Konfi“ über Teamspeak, bzw. Discord. Zu der Zeit hat sich auch der harte Kern gebildet, der bis heute zum Divoisia-Team gehört. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir damals jeden Sonntag stundenlang über ein Thema diskutiert haben, ohne wirklich zu einem Ergebnis zu kommen, weil jeder eine andere Meinung hatte und man sich so schnell in Diskussionen über (meist unwichtige) Details verlieren konnte. 

Deshalb haben wir begonnen, Gruppen zu bilden, die sich unter der Woche mit bestimmten Themen der Welt auseinandersetzten. Am Sonntag wurden dann nur noch in einer kurzen Konfi (wir peilen immer eine halbe Stunde an) die Ergebnisse zusammengetragen und aufeinander abgestimmt. Das halten wir bis heute so.

Zweimal im Jahr (einmal im Sommer, einmal im Winter) treffen wir uns auch alle persönlich. Das ist immer eine sehr intensive und inspirierende Zeit, in der viele neue Ideen aufkommen und die Weichen für das nächste halbe Jahr gestellt werden.

Von links nach rechts:
Jessi, Isa, Michi, Olli, Flori, Fipsi, Laura

»Weltenbruch – Das Mal der Sonne« ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Bei so vielen Beteiligten kommt es doch bestimmt zu Diskussionen. Wie entscheidet ihr, welche Richtungen sich die Welt entwickelt und sich Charaktere, die in verschiedenen Kurzgeschichten von unterschiedlichen Autoren, entwickeln?

Wie man der vorherigen Antwort entnehmen kann, mussten wir lernen, Verantwortung abzugeben. Wenn man in einer Gruppe an einer Fantasywelt arbeiten will, muss man sich emotional damit arrangieren können, dass es irgendwann nicht mehr möglich ist, jedes Detail selbst mitzubestimmen. So haben die oben erwähnten Gruppen zum Beispiel unterschiedliche Kulturen und Völker der Welt sowie deren Charaktere ausgeplant. In den gemeinsamen Besprechungen ging es dann nur darum, wie diese Kulturen miteinander interagieren und wie sie sich beeinflussen. Dadurch haben sich Experten für bestimmte Bereiche entwickelt. Es ist schon lange nicht mehr möglich, dass jeder über alles Bescheid weiß, aber es gibt immer jemanden, den man fragen kann und der dann zumindest schnell herausfindet, in welchem unserer Wikis dieses oder jenes Detail wo steht. Bei großen Entscheidungen, z.B. wie das Cover unseres ersten Buches genau aussehen sollte oder wenn ein Ereignis auf Divoisia die ganze Welt beeinflusst, diskutieren wir aber immer noch gemeinsam und wenn wir uns nicht einig werden, wird einfach abgestimmt. Da muss man dann eben den ein oder anderen Kompromiss eingehen.

Speziell bei Charakteren, die in mehreren Geschichten auftauchen sollen, wird im Vorfeld nochmal mit der Person gesprochen, die sich den Charakter ausgedacht hat. Wir haben auch schon das einige Rollenspiele gemacht, um im Vorfeld abschätzen zu können, wie es aussehen wird, wenn sich zwei Charaktere, die aus unterschiedlichen Köpfen stammen, in einer Geschichte begegnen. Derjenige liest anschließend auch nochmal über die verschiedenen Fassungen der Geschichte und merkt an, wo sich der Charakter seiner Meinung nach noch anders oder stimmiger verhalten könnte. Letztendlich liegt die Entscheidung, was er davon annehmen möchte, aber immer beim Autor der jeweiligen Geschichte. 

Kannst Du uns ein bisschen was über eure Welt erzählen?

Es ist immer schwierig, allgemein über die Welt, bzw. über das große Ganze zu reden, da viele Hintergründe einfach noch im Verborgenen bleiben sollen. Ich kann aber etwas dazu sagen, wie die Welt zur Zeit unserer Geschichtensammlung aussieht, denn nur wenige Jahre zuvor findet ein Ereignis statt, dass Divoisia für immer verändert. Der Weltenbruch. Auf dem größten Kontinent erhebt plötzlich sich ein Gebirge aus dem Boden, welches Divoisia in zwei Welten spaltet, die verschiedener kaum sein könnten: Auf der einen Seite versuchen die Menschen auf blutgetränktem Boden endlich der Zeit des Krieges zu entfliehen, als das Auftauchen einiger Prediger weitere Unruhe in die brüchigen Herrschaften bringt. Sie erzählen vom Untergang der Welt und von einem Gott, der sich derer annimmt, die reinen Herzens sind. Alle anderen werden sterben, um das Land endlich vom Bösen zu befreien. Auf der anderen Seite der Welt scheint dieses Land des Friedens schon zu bestehen. Die Völker sind mit ihr verbunden und leben, um sie zu schützen. So tummeln sich Kobolde in dichten Wäldern, Elfen baden in glasklaren Seen und Greife tanzen durch die Lüfte. In den Bergen findet man Trolle und Zwerge, in den Flüssen Wassergeister und Zentauren besiedeln jeden entlegensten Winkel. Hier scheint alles perfekt und das Böse verbannt.  

Allgemein ist uns wichtig, zwar klassische Fantasyvölker zu übernehmen, diese aber auf interessante Art und Weise weiterzuentwickeln, von den Gesetzmäßigkeiten der eigenen Welt beeinflussen zu lassen und mit komplett eigenen Völkern zu ergänzen.

Boten; Copyright: Divoisia GbR

Mit Divoisia legt ihr einen großen Wert auf Worldbuilding. Habt ihr gemeinsame Vorbilder, die eure Liebe zum Worldbuilding geprägt haben oder inspirieren euch jeweils ganz unterschiedliche Welten?

Innerhalb unserer Gruppe sind die Vorlieben tatsächlich überraschend breit gefächert. Ich zum Beispiel liebe Mittelerde und J.R.R. Tolkien, andere können damit gar nicht so viel anfangen (unverständlich, oder?!). Manche lesen auch lieber deutsche Autoren (Die Zwerge von Markus Heiz und die Elfen von Bernhard Hennen sind bei uns sehr beliebt), andere mehr aus dem amerikanischen Raum (Die Sturmlichtchroniken von Brandon Sanderson oder Das Rad der Zeit). 

Wieder andere schauen viele Animes oder haben lange Spiele wie Skyrim gezockt und werden davon sicherlich auch beeinflusst. 

Aber genau das macht auch den Reiz aus. Jeder hat andere Einflüsse, jeder findet etwas anders gut und damit entsteht am Ende (hoffentlich) etwas Einzigartiges.

Wie seid ihr auf Divoisia als Namen für eure Welt gekommen – bedeutet der Name etwas?

Das kann ich leider nicht direkt beantworten. Wir teilen zwar schon einige Hintergrundinformationen zu unserer Welt über SocialMedia, manches soll aber, wie gesagt, noch im Verborgenen bleiben und das gehört dazu. Ich kann nur so viel verraten, dass der Name keine Bedeutung in unserer Welt hat, in Divoisia selbst dafür aber eine umso größere.

Eine App bedeutet immer Aufwand – wann entstand bei euch die Idee das Buch mit einer App zu begleiten?

Das kann ich dafür ziemlich genau beantworten und zwar war das vor 2,5 Jahren auf der Frankfurter Buchmesse, die wir gemeinsam besucht hatten. Dort gab es einen Bereich, in dem einige StartUps und Projekte vorgestellt wurden, die bereits das klassische Leseerlebnis mit dem Einsatz verschiedenster Technik erweiterten. So wurde zum Beispiel ein Buch komplett als Desktopanwendung umgesetzt. Man konnte das Buch auf einem PC normal lesen, bestimmte Abschnitte wurden aber in einem Kurzfilm dargestellt oder mit Bildern und Animationen erweitert. Ein anderes StartUp hat eine Hörbuchapp mit speziellen Geschichten präsentiert, bei denen man mittels Wischgesten immer wieder Entscheidungen treffen konnte. Wohin soll der Charakter sich bewegen, mit wem soll er interagieren usw. Die Idee, ein Buch mit einer Smartphoneapp zu erweitern, die optionale Zusatzinhalte liefert, war dann doch recht naheliegend, da wir ja bereits unzählige Hintergrundinformationen hatten, die nie direkt in einer Geschichte auftauchen würden, aber wir als Leser aber trotzdem interessant gefunden hätten. Dazu kam, dass wir bereits zwei Informatiker im Team hatten. Einer davon bin ich und ich hatte auch damals schon hauptberuflich Smartphoneapps entwickelt.  

Was sind eure nächsten Pläne?

Nach diesem großen Gemeinschaftsprojekt, wollen wir wieder mehr zu unseren Wurzeln zurückfinden – dem Weltenbasteln. Das hat dann doch etwas unter der intensiven Arbeit an dem Buch gelitten. Es gibt auch eine ganz spezielle Zeitspanne Divoisias, der wir uns jetzt intensiver widmen wollen, um sie mit mehr Details auszuschmücken, mehr kann ich da aber leider nicht verraten, denn wir planen auch schon die nächsten Veröffentlichungen. Wann genau wieder etwas von uns erscheinen wird, kann ich auch nicht sagen, aber jeder Autor, der eine Geschichte für „Weltenbruch – Das Mal der Sonne“ geschrieben hat, hat bereits Ideen für längere Soloprojekte. Einige wollen endlich an einem eigenen Roman arbeiten, anderen schweben ganz andere Projekte vor, wie zum Beispiel ein P&P Rollenspiel, zu dem es sogar schon erste Ansätze und Ideen gibt. Aber das ist genau das, was wir mit Divoisia erreichen wollten. Wir wollten eine Welt schaffen, die so detailreich ist, dass man damit eine Grundlage für Projekte jeder Art hat. Jedes dieser Projekte ist aber mit einem enormen Zeitaufwand verbunden und da wir noch nicht davon leben können, wird das alles wohl noch etwas dauern. 

Gleichzeitig wollen wir natürlich neue Leser gewinnen und sie mit unserer Geschichtensammlung von Divoisia begeistern. Leider fallen ja dieses Jahr einige Buchmessen aus, wir hoffen aber, dass sich das alles bis Mitte des Jahres wieder etwas beruhigt hat, denn am 07.08 würde im Rahmen der Fantasynacht vom DichtFest-Verlag unsere erste Lesung stattfinden! Wir sind alle schon jetzt etwas aufgeregt, was die enorme Vorfreude aber locker wettmacht! Falls ihr aus Hamburg oder Umgebung kommt, könnte die Veranstaltung vielleicht interessant für euch sein, es werden auch noch weitere Fantasyautoren dort lesen. Die Tickets werden sogar zurückerstattet, sollte die Veranstaltung abgesagt werden müssen (https://dichtfest.de/shop/lesenacht/).

*Ein weiteres Interview mit Autoren von Divoisia aus dem Juli 2019

Greofenflug; Copyright: Divoisia GbR

Neugierig? Hier könnt ihr Divoisia folgen:

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3 Gedanken zu „Divoisia – Ein Interview

  1. karin sagt:

    Hallo Jasmin,

    Danke für die Info dazu….das beruhigt mich jetzt aber schon….Bin doch noch nicht ganz out..grins…

    Guten Start in die neue Woche ..LG..bleib gesund..Karin..

  2. karin sagt:

    Hallo liebe Jasmin,

    liest sich schon mal interessant an, auch wenn ich kein Handy für Apps z.B. besitze…..

    LG….Karin…

    • buecherleser sagt:

      Hi Karin,

      zum Glück es „nur“ im Zusatzinhalte. Das Buch lässt sich ganz normal ohne App lesen 🙂

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