REZENSION: »Das Haus der tausend Welten« von T.S.ORGEL

Haus der Tausend Welten T.S. Orgel

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»Das Haus der tausend Welten«
von T.S. Orgel

HEYNE Verlag, Februar 2020
ISBN-13: 978-3-4533-1979-0
592 Seiten
Preis: 11,99€ eBook | 14,99€ Taschenbuch

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Inhalt

Nach über 60 Jahren ist es wieder soweit, das Tor wurde geöffnet…

Über 16 Menschen, 3 Gruppen, 1 Ziel – Das Haus der aufgehenden Sonne. Alter Hauptsitz der Magiergilde und heute berühmt-berüchtigtes Gasthaus, zumindest in den unteren Etagen. Was hinter dem Tor am Ende der Galerie des ersten Stocks liegt, weiß nämlich niemand so genau. Der wertvollste aller Schätze soll es sein, unendlich viele Räume voller Gold und Artefakte. Mächte, die einem die Welt zu Füßen legen – sagen die Gerüchte, die seit Jahrhunderten durch die Straßen Atails wehen.

Fremde, Freunde, Feinde – um dem ehemaligen Sitz der Magiergilde sein Geheimnis zu entreißen und den Gefahren zu trotzen, bilden sich ungewöhnliche Bündnisse. Was erwartet die Schatzsucher in dem Haus mit den vielen Räumen und wieso ist noch nie zuvor jemand wieder lebend aus dem Turm der Magier zurückgekehrt?

Fazit

»Das Haus der tausend Welten« von T.S. Orgel zu lesen ist wie einen guten, alten Abenteuerfilm gucken. 3 Gruppen mit demselben Ziel brechen auf, um noch vor allen anderen das Haus der tausend Welten zu erkunden und zu plündern. Ein spannendes Wettrennen um einen Schatz, dessen Preis keiner wirklich kennt.

Vielschichtige Charaktere. Spannung. Mega Setting.

Die drei Gruppen könnten unterschiedlicher nicht sein. Da haben wir einmal die Gang aus der Jurdagasse unter Führung der recht humorlosen, aber effizienten Stern.
Eigentlich hält sich die Gang mit kleineren Überfallen und Diebstählen in Atail über Wasser und lebt alles andere als im Überfluss.
Zusammen mit dem Groog, Kratzer, Ensu, Marai, Pelly und Fuchs bricht Stern in das Unbekannte auf. Der Gang schließt sich noch Ako an, die erst just am Morgen des Aufbruchs in Atail ankam.

Dann haben wir die Guam, Gesandte und offizielle Stimme des Kaisers in Atail, mit ihrem Gefolge und Söldnerin Baelis aufbricht.
Und Mlima, eine Institution der Unterwelt Atails und Besitzerin des Hauses der aufgehenden Sonne. Mit ihr bricht unfreiwillig Salter, kaiserlicher Magister, auf, um das Geheimnis jenseits des Tores zu erkunden.

T.S. Orgel haben es wieder getan

T.S. Orgel haben ihre Charaktere wieder lebendig und auffallend vielschichtig konzipiert. Wer bereits andere Bücher, zum Beispiel »Die Blausteinkriege«-Trilogie kennt, weiß, dass es kein einfaches Gut und Böse bei den beiden Autoren gibt. Die Charaktere haben ihre Motive und ihre Vergangenheit, die sie zu denen macht, die sie sind. Und wer bereit ist, auch mal die Betrachtungsweise zu ändern, wird feststellen, dass manche Handlung der Charaktere nachvollziehbar wird. So falsch sie von außen auch scheinen.
Es ist immer wieder erfrischend, wenn Charaktere so differenziert dargestellt werden und es keine schwarz-weiße Protagonist-, Antagonist-, Nebenfigur-Klassifizierung gibt.
Jeder Figur trägt zur Entwicklung der Geschichte bei und ist wichtig.
Besonders zu erwähnen sind Fuchs, der mit seiner sarkastischen Art in manchen Situationen den Bogen fast schon überspannt, aber auf dieser Reise auf eine Art mit sich selbst konfrontiert, wie es wohl niemandem sonst. Aber auch darüber hat er seinen Sarkasmus nicht verloren.
Auffallend gelungen ist auch Kratzer. Ein überzeugendes, misogynes, vielleicht auch rassistisches Arschloch, das seine Rolle perfektioniert hat – aber eben auch mehr kann.

Ein Haus, tausende Möglichkeiten

Neben den Charakteren ist auch das Setting gelungen. Es war spannend zu sehen, wie T.S. Orgel den Raum ihrer Geschichte erst verengt haben, um ihn das explosionsartig zu erweitern.
Mit Salter und Ako reisen die Leser*innen erst noch durch das Land, aber unweigerlich laufen alle Erzählstränge in Atail und dann im Gasthaus der aufgehenden Sonne zusammen. Nur um dann mit dem Haus der tausend Welten wieder in schier unmögliche Möglichkeiten überzugehen.

Fesselnd sind aber nicht nur das Setting und die Charaktere, sondern sondern auch die Art der Erzählung. Als Leser*inn wird man durch die abwechselnden Erzählperspektiven schnell durch die Geschichte getragen.
Abwechselnd erzählen Baelis, Ako, Fuchs und Salter die Geschichte, was verwirrend klingt sorgt anfangs für einige lose Fäden, die mit dem Fortlauf der Geschichte zu einem starken Erzählstrang verwoben werden – mit Wendungen, die oft nicht vorhersehbar sind und einer fesselnden Atmosphäre.

Es war mir eine Freude »Das Haus der tausend Welten« zu lesen und ist eine klare Empfehlung von mir. Einziger kleiner Wermutstropfen: Der Klappentext spiegelt den Inhalt nicht gekonnt wider bzw. dürfte zum Teil andere Erwartungen wecken. Hier könnte bei einer neuen Auflage nachjustiert werden.
Nichtsdestotrotz hatte ich mit »Das Haus der tausend Welten« über 500 Seiten Lesespaß und wurde, wie bisher immer, nicht von T.S. Orgel enttäuscht.

Bewertung

5 Bücher

Autoren

T.S. Orgel und Bücherleser

Hinter dem Pseudonym T.S. Orgel stehen die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel. Wenn sie nicht schreiben, sind sie als Grafikdesigner und Werbetexter bzw. Verlagskaufmann unterwegs.
2012 erschien mit »Orks vs. Zwerge« der erste gemeinsame Roman von T.S. Orgel.

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Weitere Meinungen zu »Das Haus der tausend Welten« von T.S. Orgel

Seitenzauberin (o.A.)
Weltenwanderer (3,5/5)

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Cover: Heyne

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»Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes« von Patrick Hertweck

Tara und Thanee Verloren im Tag des Goldes Patrick Hertweck

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»Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes«
von Patrick Hertweck

Thienemann Verlag, Februar 2020
ISBN-13: 978-3-5221-8467-0
304 Seiten
Preis: 12,99€ eBook | 15€ Hardcover

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Inhalt

Zwei junge Mädchen, zwei Welten, ein Geheimnis.

Tara und Tahnee könnten gar nicht unterschiedlicher aufwachsen, die eine lebt gut behütet im großen Haus auf dem Hügel in San Francisco bei ihrem Großvater, die andere in der Hütte im Wald bei ihrem Vater.
In dieser Hütte wartet Tahnee auf die Rückkehr ihres Vaters, der schon längst zurück sein wollte. Als statt ihres Vaters ein Kopfgeldjäger auftaucht überschlagen sich die Ereignisse. Tahnee muss ihrem Vater helfen und so macht sich das junge Mädchen alleine auf den Weg aus der Wildnis nach San Francisco, auf der Suche nach dem Mann, der in dem großen Haus auf dem Hügel wohnt und dem Geheimnis, dass dort so lange gehütet wird.

Fazit

Als ich das erste Mal gelesen habe, dass im Februar 2020 ein neues Buch von Patrick Hertweck erscheint, machte mein Herz einen kleinen Satz vor Freunde. »Maggie und die Stadt der Diebe« ist eines der Bücher, dass ich immer mal wieder lese und jetzt gab es etwas Neues aus der Feder, die auch Maggie erschaffen hat. Ich habe mich wirklich auf »Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes« gefreut. Zurecht.

Eine spannende und vielfältige Reise beginnt

»Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes« spielt im wilden Westen – Kopfgeldjäger, Cowboys, Goldfieber und Rassismus prägen die Gesellschaft.

Im der rauen Wildnis, wo der Revolver das Gesetz macht lebt die junge Tahnee mit ihrem Vater in einfachen Verhältnissen. Eine Hütte im Wald, genügen Essen, geflickte Kleidung – Tahnee lebt gut, aber nicht im Überfluss.
Ihre Welt zerfällt, als ein Kopfgeldjäger aus San Francisco auf der Suche nach ihrem Vater vor der Tür steht. Mit dem Versprechen an ihren Vater, sich nach San Francisco durchzuschlagen, muss Tahnee alleine reisen.
Eine Reise, die sie viel sehen lässt: Angst, Rassismus, Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Da ist zum Beispiel die Begegnung mit dem jungen Indianer, der nicht die Erde verlässt, unter der sein Volk verrottet, weil die weißen Siedler Krankheiten mitgebracht haben. Und die Begegnung mit einem entflohenen Sklave, der sich dumm stellt, weil das Leben mit weißen Cowboys für einen dummen Schwarzen einfacher ist, als für einen intelligenten.
Es macht Freude zu lesen, wie offen, mutig, stark sich Tahnee auf ihrer Flucht verhält und wie sie an ihren Erlebnissen wächst.

Ein krasser kontrast

Einen starken Kontrast dazu bildet Tara, die die Leser*innen anfangs vor allem über Briefe kennenlernen. Sie schreibt ihrer Mutter, was sie unter der Obhut ihres Großvaters alles erlebt. Dabei sind ihre Tage anfangs wenig abwechslungsreich, sie wächst sehr behütet fernab des Trubels in San Francisco hinter einer Mauer auf.
Sie ist zwar neugierig, hinterfragt anfangs aber wenig. Erst als ein Mann versucht ihre Kutsche zu stoppen, dann abends über die Grundstücksmauer klettert und ihr Großvater einen Schock erleidet, fängt Tara an ihr Leben, die zurückhaltenden Antworten ihrer Nanny und das Schweigen ihres Großvaters zu hinterfragen.

Mit fortlaufender Geschichte verwebt Patrick Hertweck auf gelungene Art und weise die Schicksale von Tara und Tahnee immer enger miteinander, die ihre Erlebnisse zuvor in abwechselnden Kapiteln erzählen.

Patrick Hertweck ist hier wieder etwas ganz Wunderbares gelungen. Wie »Maggie und die Stadt der Diebe« gehört auch »Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes« zu jenen Büchern, die man aufschlägt und sofort entführt wird.
Die Charaktere sind lebendig, detail- und facettenreich mit Liebe ausgearbeitet, haben eine ganz besondere Dynamik und sind starke Persönlichkeiten mit Herz. Sie fügen sich perfekt in diesen spannenden Abenteuerroman ein, der wie ein Kinofilm vor dem inneren Auge abläuft. Man schmeckt regelrecht den Staub der Straße, hört die Pferde und riecht das Schießpulver.

Bewertung

5 Bücher

Autor

Patrick Hertweck wurde 1972 geboren, hat drei Söhne und lebt in Freiburg im Breisgau. Nach dem Abitur bereite der Autor viele Gegenden Europas mit dem Fahrrad. Danach arbeitete er jahrelang im Management eines Medienunternehmens, bis er seine heimliche Passion zum Beruf machte.
2015 veröffentlichte der freie Schriftsteller sein Debüt »Maggie und die Stadt der Diebe«.

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Weitere Meinungen zu »Tara und Tahnee – Verloren im Tal des Goldes« von Patrick Hertweck

Buchmagie (o.A.)
Claudis Gedankenwelt (5/5)
Lesen im Mondregen (5/5)

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Cover: Thienemann
Vielen Dank an den Thienemann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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